Presse

28. Jun. 2010

Kleiner Maulwurf Star des Abends: René Marik sorgt für ausgelassene Stimmung in der Stadthalle

Merkwürdiger Besuch in Bremerhaven: In der Stadthalle trafen sich ein blasierter Frosch, ein tollpatschiger Maulwurf, eine schöne Barbie, ekstatische Lappen und ein... gelenkiger Eisbär. Vor rund 1500 Zuschauern aus allen Altersgruppen ließ der diplomierte Puppenspieler René Marik seine Figuren zwei Stunden lang die Bühne bevölkern. Marik zeigte eine neue, eine ungezähmte Facette von sich und ließ das Publikum zu Wort kommen, der ,,Hasskasper" kultivierte Ventilfunktion und erntete dafür Lachsalven.

Als er auf die Bühne tritt, erklärt René, warum er sich an diesem Abend wahrscheinlich etwas merkwürdig bewegen wird: Seit seinem 40. Geburtstag zeige sein Körper die ersten Ausfallerscheinungen, und ein gewaltiger Hexenschuss führe dazu, dass er sich selber fast ein wenig wie eine seiner Puppen bewegt. Aber eben nur fast, und so beginnt er seine große Show mit dem grünsten seiner Freunde, dem arroganten Frosch ,,Herr Falkenhorst".
Die Idee, das so genannte Warm-Up, das man zur Einstimmung vor einer Show veranstaltet, von einer Puppe durchführen zu lassen, ist eben typisch Marik. Ebenso wie handgreifliche Auseinandersetzungen zwischen Puppe und Puppenspieler hinter der Stellwand. Synchronitätsprobleme zwischen Lippenbewegungen und gesprochenem Wort werden mit einer beherzten Ohrfeige für den Puppenspieler gelöst. Kinderprogramm sieht anders aus, trotzdem hat der ehemalige Kfz-Mechaniker aus Hildesheim dem Puppenspiel zu einer unglaublichen Renaissance verholfen.
Als der Maulwurf, dessen Selbstmordversuch auf der A 9 glücklicherweise fehlgeschlagen ist, sich auf die Bühne buddelt, fegt ein Riesenapplaus durch die Halle. Der Wühler mit dem Sprachfehler hat alle Sympathien auf seiner Seite. Wieder einmal läuft ihm ,,de Babe" (die Barbie) über den Weg und bestimmt sein Handeln, durch alle Stationen der Show. Mit Magierhut und Zauberstab versucht er als ,,Hage Potte" (Harry Potter) seine große Liebe wieder erscheinen zu lassen, seine Zauberformel ,,Abre Kadabre -ich wünsch me de Babe" führt zu frenetischem Gejohle im Publikum.
Als ,,Supegage" (Superman) im Pilzdrogenrausch, als ,,Winnetou" mitsamt ,,Old Shatterhage" oder als Rambo-Verschnitt mit Papp M16 (Hasta la Vista, Babe), der ,,Maulwurf'n" ist und bleibt Mariks stärkste Figur. Jede seiner Wortkreationen erhebt sich zum Kult. Aus ,,Hallo" wird ,,Hage", ,,Cocktails" werden zu ,,Cocktage" und ,,Rapante, Rapante, lassn Haate kate!" ist die ultimative Aufforderung an die Geliebte, nun endlich ihr Haar fallen zu lassen. Schreiend komisch, wenn der von Artikulationsproblemen gegeißelte Gärtnerschreck sich dann frustriert mit einem ,,Tschüssn" von der Bühne verabschiedet.
Die anderen Figuren der Show flankieren die Abenteuer des Maulwurfs. Besonderes Augenmerk ist hier den Lappen ,,Dominik" und ,,Jaqueline" zu schenken. Wie kein anderer Charakter beherrschen diese beiden das Spiel mit der gesetzten Pause und überraschen immer wieder mit einem unkonventionellen Ende. Der berlinernde Eisbär ,,Kalle", der omnipotente Klugscheißer ,,Falkenhorst" und der bitterböse ,,Hasskasper" bilden den perfekten Rahmen für den namenlosen König der ,,Mullen".
Als ,,Zwischenspiel" zeigt René Marik Aufnahmen aus seiner Hasskasperbox, einer Kabine, in der sich jeder, der mag, die Hasskasperfigur greifen kann, um sich dann vor laufender Kamera mal so richtig den Frust von der Seele zu reden - oder auch zu schreien oder zu toben. Kuriose Filme von aneinander gereihten Wutausbrüchen sind das brüllend komische Ergebnis. Auch im Foyer der Stadthalle wird diese Box aufgebaut, nach der Vorstellung haben die Zuschauer die Möglichkeit, dort zu einem Teil der Show zu werden.
Zwischen den Auftritten der Puppen greift René Marik zur Gitarre und singt, von Ingo Günther - alias ,,Tastateur Professor Inge" - am Keyboard begleitet, einige Songs, die irgendwo zwischen Jazz, Chanson, Pop und Rock liegen. Auch wenn diese Pausen wohl hauptsächlich der Entspannung vom anstrengenden Puppenspiel dienen, sowohl Gesang als auch Gitarrenspiel wissen durchaus zu überzeugen. Nach den Zugaben hält Marik noch lange im Foyer aus, um artig alles zu signieren, was man ihm reicht. Professor Inge sucht während dessen ein Auge vom Hasskasper. In einem heftigen Wutausbruch des letzten Besuchers kam es wohl zu intensivem Kontakt zwischen dem Hauptprotagonisten und der Hasskasperbox. Na dann - ,,Tschüssn!"
 

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