01. Sep. 2008
Frankfurter Rundschau v. 03.01.2008, S.14, Ausgabe: R Region (Download)
Was macht eigentlich der Künstler RenéMarik?
"Ich glaube, es ist lustig", sagt er – das ist es wirklich.
Von Sebastian GehrmannGanz geheuer war ihm die Nummer ja nicht. So wie Gott ihn schuf der Länge nach auf einer weißen Tischdecke, umgeben von beigen Kacheln, üppig drapiert mit totem Fisch, totem Fleisch und Grünzeug. Die Augen hat er weit aufgerissen, den Mund halb geöffnet, was angesichts des stattlichen Tintenfischs, der auf seinem entblößten Schoß hockt, ein durchaus angemessener Gesichtsausdruck ist.
Sollte es eines letzten Beweises bedurft haben, dass Kulinarik und Erotik zwingend zusammengehören, dann hat ihn René Marik mit diesem Foto geliefert (zu finden unter www.rainaldgrebe.de). Es würde als Stillleben durch-gehen, wäre es nicht zum Totlachen.
Mehr als vier Jahre lebte Marik irgendwo in Jena Tür an Tür in einer Wohngemeinschaft mit Liedermacher und Kabarettist Rainald Grebe. Das hat Spuren hinterlassen und zugleich war es ungeheuer inspirierend. O-Ton Marik über Grebe: "Man trifft in seinem Leben selten Leute, die mit etwas anderem als mit Wasser kochen." Wo-mit genau Grebe kocht, das will man angesichts des Fotos, auf dem René Marik als Modell für das Open-Air-Spektakel "Jena kocht" posiert, aber gar nicht wissen. So viel muss genügen: Ohne den Grebe, sagt Marik, würde es "diesen Schwachsinn nicht geben".
Diesen Schwachsinn zu beschreiben, das fällt selbst einem studierten Puppenspieler mitunter gar nicht so leicht. Was er da macht? "Ich glaube, es ist lustig." Das ist es wohl. René Marik ist keiner, der Sketche vom Fließband abliefert, keiner, dessen Pointen durchschaubar sind. Er ist nichts von dem, was er selbst "Mainstreamscheiß" nennt, und doch einer, der durchaus massenkompatibel ist. Er hat der Hochliteratur abgeschworen und ein Faib-le für Triviales entwickelt. Er findet "Goethe zum Kotzen". Herausgekommen ist ein schnüffelnder Maulwurf mit Sprachfehler, der Grimmschen Blondinen nachstellt.
Marik ist keiner, "der jahrelang über die Dörfer getingelt ist", hat sich nicht durch kleine Klubs und schlecht be-suchte Bühnen geschlagen, um bekannt zu werden. Er hat die Lawine nicht losgetreten. Das war das Internet-portal Youtube. Er war einst Gast in der "Kurt-Krömer-Show", schob seine Hand in den Allerwertesten von Ker-mit, dem Frosch, der bei Marik Falkenhorst heißt, und das Schicksal wollte, dass just jener Abend als Best-of-DVD erschien. Was nicht weiter erwähnenswert wäre, wenn nicht jemand "den Puppenquatsch" ins Netz gestellt hätte. "Plötzlich war bei Auftritten die Hütte voll, und wenn ich meinen Puppenturm aufgebaut habe, sind die Leu-te ausgerastet."
Jenseits der breiten Öffentlichkeit (lies: TV-Comedy) werden Mariks Figuren in einer Videotauschbörse Kult. Mitt-lerweile stellt "Maulwurf 1970" selbst Videos ins Netz. Marik gehört zur festen Entourage des Quatsch-Comedy-Clubs – der Bühnenversion. Beim Sender Pro Sieben läuft nur Stand-Up. Ob seine Puppen bildschirmtauglich sind? "Das Problem ist, dass sich keiner traut, diesen Schritt zu wagen."
Vermutlich ist das allein eine Frage der Popularität. Und Kermit, der Maulwurf, der Eisbär, Barbie und Ken, dazu ein Putzlappen – all seine Protagonisten sind dabei, bekannt zu werden. Doch es wäre ein Fehler, Marik auf seine Puppen zu reduzieren; sein Soloprogramm nutzt die ganze Bühne. Ergreifende Gedichte, romantische Lieder, Stand-Up. Widmete Marik sich allein seinen Figuren, "würden mir die Arme abfaulen". Überhaupt: "Ich habe keine Lust, ein Fachidiot zu werden. Die ganze Welt ist voll davon." Auch wenn der nuschelnde Maulwurf mit seinem flehenden Sprüchlein "Rapante, Rapante" drauf und dran ist, den Durchbruch zu schaffen. Es wird ihn wohl nie solo geben. Und auch wenn die Agentur Feez um Werbung bemüht ist – mit eigener Homepage statt Myspace und DVD zu Ostern statt Youtube. Noch, sagt RenéMarik, hat er "den Underground-Bonus".
René Marik "Autschn! Ein Abend über die Liebe", 25.1., 20 Uhr, Kulturkeller Fulda, Jesuitenplatz 2, Karten unter www.kreuz.com; 23.4., Bürgerhaus Kelsterbach, alle Termine + Tickets: www.renemarik.de